21.-22.03.2015

Norbert Karaban Tagebuch 6 Comments

Wie soll/kann ich erklären/verstehen was heute mit mir los ist? Und wen interessiert das, außer mir selbst? Mich selbst! Oder auch nicht. Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass es mir überhaupt nicht gut geht. Überhaupt nicht. Schon heute Morgen brauchte ich eine kleine Ewigkeit, bis ich es geschafft hatte, mit meinen lieben Gassi zu gehen. War nervös und angespannt. Gut, den Grund dafür kannte ich: Eine Veranstaltung auf einem der belebtesten Plätze in München. Eigentlich eine Sache über die ich mich freuen könnte. Wenn, ja wenn ich zurzeit nicht ein Problem mit Menschen, und erst recht mit Menschenmassen hätte. Zwei gute Gründe doch hinzugehen hatte ich. Zum einen der Auftritt einer Band von vier vegan lebenden Kids, deren Musik und ihre Familie ich sehr mag. Und zum anderen der Auftritt von jemanden den ich sehr bewundere, ebenfalls vegan lebt und für die das Wort Depression kein Fremdwort ist. Sie geht sehr offen mit diesem Thema um und ich finde sie einfach umwerfend geistreich und auch lustig. Ich erwähne den Namen hier ganz bewusst nicht, weil ich keinen Ärger mit ihr und wem auch immer haben möchte. Nachdem ich dann doch noch vier Kilometer Gassi gegangen und einkaufen gewesen bin, nahm ich mir Zeit für ein ausgedehntes Frühstück. Ich hatte mir vorgenommen mich nicht abzuhetzen. Leider war dann aber auch der Auftritt der Band zeitlich nicht mehr zu schaffen. Meine Nervosität steigerte sich von Minute zu Minute. Mannomann, aber wenigstens am Nachmittag zu der Kabarettistin? Ja, nein, vielleicht. Ich war hin-und hergerissen. Keine Ahnung wie ich das mit den Menschenmassen handeln sollte. Ich wollte sie unbedingt live sehen und hören. Vielleicht, wenn ich ganz mutig bin, sie sogar fragen ob sie sich mit mir zusammen fotografieren lässt. Nein, so mutig wäre ich wohl nicht. Aber wenigstens ein paar Fotos von ihrem Auftritt? Ja, das könnte ich schaffen.

Eine kurze Erklärung dazu, warum die Fotografie unter anderem, für mich persönlich einen therapeutischen Effekt hat. Ich war die letzten Jahre auf sehr vielen Tierrechtsaktionen. Zwangsläufig war ich dort immer, mit mehr oder minder vielen Menschen in Kontakt. Eigentlich ein absolutes Unding für mich, Menschen körperlich so nahe zu sein. Allein durch das Fotografieren der Demos und Aktionen, schaffte ich es mich abzukapseln und eine unsichtbare Mauer um mich herum aufzubauen.

In dem Moment, wenn ich durch den Sucher der Kamera blickte, streifte ich meine Angst und Unsicherheit ab und war nur noch Fotograf. Einfach genial, ich hatte somit einen Weg aus der totalen Isolation meines sonstigen Lebens gefunden, und gleichzeitig Kontakt zu anderen. Es blieb dadurch auch nicht aus, dass ich relativ schnell einen Bekanntenkreis aufbauen konnte. Meine Bilder wurden auf Facebook gerne angesehen und nicht wenige User, verwendeten meine Portraitfotos als Profilbild. Das freute mich, soweit ich mich überhaupt über etwas freuen kann, doch immer wieder. Auch wurde das ein oder andere Foto in Zeitungen bzw. Onlinemagazinen veröffentlicht. Zum größten Teil (95%) allerdings ohne Namensnennung oder noch besser, jemand anderes wurde als Fotograf genannt. Okay, das hat mich immer wieder in tiefe Depressionen gestürzt. Als wenn mir meine normale Depression nicht schon ausreichend zusetzen würde. Aber auch damit kam ich dann irgendwann einigermaßen klar. Ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass ich es durch die Fotografie und der Veröffentlichung der Fotos auf Facebook zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gebracht habe. Also überwogen die positiven Aspekte. Ist schon ein wenig crazy, zum einen das gute Gefühl beim Fotografieren und der damit verbundenen sozialenergie, zum anderen zwei bis drei Tage total erledigt und müde. Jede Demo und Aktion kostete mich unheimlich viel Kraft. Aber ich bekam auch sehr viel Gutes dafür. Leider ist das aktuell nicht mehr so. Die alten Geister der haben mich wieder eingeholt.

Muss jetzt mit meinen beiden Lieblingen zum Gassigehen …
Schreibe hier weiter, wenn ich die Energie dafür habe!

Bitte macht euch keine Sorgen um mich, ich habe viele Strategien um auch aus diesem Loch heraus zukommen !!!

Share

Comments 6

  1. Francesca Kappelmeyer

    Lieber Norbert,
    wir beide kennen uns nicht gut. Wir haben uns schon oft auf Tierschutzveranstaltungen getroffen, auch kurz geplaudert, uns aber noch nie länger unterhalten. Trotzdem wusste ich, dass du immer da bist, wenn ich mich engagiere. Und es war ein gutes Gefühl! “Ah der Norbert ist da. Schau das ist der berühmte Fotograf mit seinem Hund, der die tollsten Bilder immer und jederzeit für den Tierschutz macht.”, habe ich letztens ganz andächtig einer Freundin zugeflüstert. Das hört sich jetzt vllt komisch an, aber auf Aussenstehende wirkst du wie der Fels in der Brandung ……….. eine innere Ruhe ausstrahlend und im positiven Sinne respekteinflössend. Wenn ich dich gesehen habe, habe ich mich immer ein Stück Zuhause gefühlt. Zudem hatte ich das Gefühl, dass Menschen um dich rumschwärmen, wie um einen Honigtopf(entschuldige die nicht-vegane Ausdrucksweise). Erst jetzt merke ich, dass du dich aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtest und dass es dir nicht gut geht.
    Es tut mir ehrlich leid, dass du dich einsam und im Stich gelassen fühlst. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Leute dir privat nicht so nahe kommen, weil sie deine Kunst so sehr schätzen und bewundern und sich an den Künstler Norbert nicht heran trauen.
    Trotzdem ist es keine Entschuldigung für die verpasste Vernissage. Nach all dem was du für andere getan hast. Ich wünschte, wir hätten uns mal länger unterhalten und du hättest mir von der Ausstellung erzählt. Dann wäre ich sehr gerne gekommen oder mit dir hingegangen. Ich nutze Fb nur spartanisch, habe es anfangs kritsch betrachtet, dann pragmatisch . Vor kurzem habe ich auch eine sehr einschneidende und erschreckende Erfahrung gemacht, weil ich angefangen habe Fb zu unterschätzen. Ich kann deinen Missmut gut verstehen, würde es aber trotzdem nicht ganz so persönlich nehmen.
    Glaub an dich als Menschen, Fotograf, Freund und Tierliebhaber. Und gib dich und deine Leidenschaft nicht auf. Es wäre schade um das verschwendete Talent!!!!
    Ich hoffe es kommt der Zeitpunkt, an dem wir uns über den Weg laufen und uns persönlich kennenlernen……….uns über alles mögliche oder unsere Hunde unterhalten.

    Ich wünsche dir Mut, Stärke und Zuversicht bis dahin und dass du dich mal aus den Augen einer Aussenstehenden betrachtest!

    alles Liebe

    Francesca

  2. Angelika

    Besser als Francesca kann man es nicht sagen. So sehe ich es auch. Ich bin von München ein gutes Stück weg und hätte auch so nicht kommen können auf die Vernissage. Aber auch für mich bist du der berühmte Fotograf. Die Krankheit sieht man dir nicht an. Wenn ich mal eine Panikattacke hatte, hat es nicht mal mein Mann bemerkt. Und trotzdem schränken uns diese Krankheiten so ein.
    Bitte mach weiter so tolle Bilder. Wir brauchen dich und deine Arbeit.

  3. Ina Waldhauser

    Hallo Norbert,
    Wir kennen uns flüchtig von der Münchner Demo im September . Du hast wundervolle Bilder von meinen Kindern gemacht. Du hast uns gestreift- und bleibenden Eindruck hinterlassen. Dafür danke ich Dir. Melde Dich, wenn Du möchtest. Vielleicht können wir Dich womit auch immer unterstützen. Halt durch und try to stay positive! Liebe Grüße , Ina

  4. Tina Langhaeuser

    Lieber Norbert,
    wir sind uns nur ein einziges Mal begegnet, und trotzdem hast Du einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. (Und wundervolle Bilder von meinem Hund aufgenommen.) Seither sind mir Deine Bilder immer Inspiration und Ermutigung gewesen.
    Ich wünsche Dir von Ganzem Herzen, dass es Dir bald gelingt, die Geister zu verbannen und wieder Freude zu empfinden über die Sympathie und Hochachtung, die Dir entgegengebracht werden!
    Alles, alles Gute für Dich!
    Tina

  5. André Radix

    Alles Liebe, und viel Kraft Norbert! Falls ich mal etwas für Dich tun kann, gib einfach Bescheid. Egal wann oder was. Beste Grüße, André

  6. carla

    Lieber Norbert,

    wir kennen uns nicht.
    Ich kenne auch nicht besonders viele Bilder von Dir.
    Die, die ich kenne , finde ich wunderschön.

    Aber ich kenne Deinen Inneren Zwiespalt.
    Du bist nich der ERSTE und wirst auch nicht der LETZTE sein,
    der mit der Konformität dieser Welt hadert.
    Es ist kein Makel Angst zu haben vor den Menschenmassen wissend, wie schrecklich Menschen sein können.
    Wichtig ist es, einen Überlebensplatz zu finden, inmitten von Belanglosigkeiten, Oberflächlichkeiten etc. und diesen Platz so zu gestalten, dass Du innerlich zufrieden BESONDERS bleiben kannst.
    Ich denke, Du bist ein sehr empfindsamer, dünnhäutiger Mensch und hast die Fähigkeit Dinge zu sehen, die andere nicht sehen.
    Für diese sensible Dünnhäutigkeit zahlt man natürlich auch einen Preis, das ist doch klar,
    denn Sensibilität ist kein wirklich guter Schutz.

    Nimm Dir DEINE Zeit und werde GANZ, ohne Orientierug an den gängigen Rchtlinien des Menschseins.
    Ich wünsche Dir Kraft, gute Gespräche , wunderbare Stille., Liebe.

    Herzliche Grüsse
    Carla

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.