Schlachthofblockade München

Norbert Karaban Tierschutz 2 Comments

Als ich heute Morgen nach dem Aufstehen kurz in Facebook hineinsah, fiel mir sofort eine Meldung auf: München, Tierschützer blockieren Schlachthof…

Wie? Echt jetzt? Irgendwie konnte ich es nicht recht glauben. Während des relativ kurzen Morgengassis beschloss ich dort hinzufahren um zu sehen was sich dort tatsächlich abspielt. Also daheim meine lieben Vierbeiner versorgt, Frühstück ausfallen lassen und auf nach München in die Zenettistrasse zum Schlachthof. Während im Autoradio B5 Aktuell lief, wo ebenfalls über die Blockade berichtet wurde, gingen mir 1000 Gedanken durch den Kopf:
Hoffentlich bleibt alles friedlich! – Bei so etwas war ich noch nie dabei, wie geht es mir damit? – Mein Gott, was ist mit den armen Tieren in den blockierten Transportern? – Wenn es zu Ausschreitungen bzw. Gewalttätigkeiten Auseinandersetzungen kommt, bin ich sofort weg! – Komme ich auch wirklich direkt dorthin, im Radio wurde berichtet das dort von der Polizei weiträumig abgesperrt wurde…
1000 Gedanken…
Rund um den Schlachthof wurde tatsächlich ein Sperrgürtel von der Polizei angelegt. Ich befürchtete lange Staus wegen den Tiertransportern. Sah aber tatsächlich nicht einen einzigen. Okay, es war ja auch schon etwa 09:30 und die Blockade begann bereits um 05:30. Da werden sie wohl schon zumindest das Haupttor geräumt haben…
Ich fand tatsächlich relativ nahe in der Talkirchnerstrasse einen Parkplatz, schnappte mir meine Kamera und ging Richtung Schlachthof.
Schlachthof, Ort des Grauens und des Todes. Mehrmals war ich schon dort bei friedlichen Mahnwachen. Kein schöner Ort, mir krampfte sich der Magen mit jedem Schritt in diese Richtung mehr zusammen.
Die Polizei sprach jeden der in die Zenettistrasse wollte darauf an, dass diese gesperrt sei. Nur Anwohner, Beschäftigte des Schlachthofes oder augenscheinlich Unbeteiligte durften passieren. Ich grüßte einen der Polizisten freundlich und ging einfach, ohne angesprochen zu werden weiter.
Tatsächlich war der Haupteingang bereits geräumt. Neben dem Eingang saßen zwei Aktivisten, die mit einem Betonfass an je einer Hand miteinander verbunden waren, abgeschirmt von Bereitschaftspolizisten, auf dem Boden. Das Fass wiederum war auf einer Palette, ein Hubwagen stand daneben. Unklar war mir, warum die Aktivisten von so vielen Polizisten abgeschirmt wurden. Hatten die Angst, dass sie mit dem Betonfass abhauen? Wenn die ganze Szenerie nicht so unendlich traurig gewesen wäre … Ich begann zu fotografieren und rechnete damit, vertrieben zu werden. Lediglich ein paar Polizisten sprachen mich an, nicht zu nahe an die bösen, bösen Aktivisten zu kommen. Hatten die was Ansteckendes? Wie ich auf den ausgebreiteten Bannern sah, wurde diese Aktion von Mastanlagen Widerstand, ALF und Tierschützenden G7 Gegnern organisiert. Vor Ort waren verschiedene Fernsehteams, Radio und jede Menge Pressefotografen.

Da vier Zufahrten zum Schlachthofgelände blockiert waren, ging ich auch dorthin. Zu diesem Zeitpunkt waren diese noch durch die Aktivisten blockiert.

Bei einer Räumung war ich dann noch dabei.
Ehrlich gesagt war ich von der Ruhe und Umsichtigkeit die die Polizei dabei an den Tag legte, beeindruckt. Ein Kranwagen der Polizei hob vorsichtig Zentimeter für Zentimeter das Betonfass an, eine Palette wurde dann darunter geschoben, diese wiederum mit einem Hubwagen versehen, die Aktivisten vorsichtig auf kleine Rollbretter gesetzt und anschließend seitlich vom jeweiligen Tor transportiert.
Das lief, zumindest als ich dabei war, ganz ruhig und vorsichtig ab.

Aus dem Schlachthof war währenddessen immer wieder das brüllen von Rindern zu hören. Ich merkte, dass ich an meine Grenzen komme. Hungrig, erschöpft und tieftraurig ging ich zu meinem Auto.

Komm, sagte ich mir, wenn du schon in München bist, kannst du auch noch in das neu eröffnete Erbils (rein veganer Imbiss) gehen. Dort traf ich dann zufällig liebe Tierschutzfreunde mit denen ich mich sehr gut unterhielt.

Daheim angekommen, war ich total ausgepowert, voller Trauer und Schmerz. Ich sitze jetzt hier auf meinem bequemen Sofa und die armen Mitgeschöpfe die eine kleine Verzögerung bis zu ihrem sicheren Tod hatten, waren bereits geschlachtet und verarbeitet.
Sorry, aber manchmal könnte ich an dem Gang der Welt schier verzweifeln…

Man kann über den Sinn oder Unsinn solcher Blockadeaktionen geteilter Meinung sein.
Ich fand sie gut, der Publicity-Effekt einfach genial. Soviel unterschiedliche Medienvertreter habe ich bis jetzt selten bei einer Tierschutzaktion gesehen.
Feststeht auch das die Tiere tatsächlich für ein-zwei Stunden in der Warteschleife und in der Sonne standen. Aber bitte, das waren zwei Stunden länger atmen und leben. Die mehr oder minder langen Transportwege der armen Mitgeschöpfe vom hermetisch abgeriegelten Stall bis zum Töten im Schlachthof sind die einzigen Momente, bei denen sie einmal frische Luft atmen und die Sonne sehen dürfen.

Wirklich traurig daran ist meiner Meinung nach, das dies weltweit jede Sekunde und ständig passiert. Die Menschheit ist leider noch nicht soweit zu erkennen, dass dies ein Verbrechen an unseren Mitlebewesen, mit denen wir diese eine Welt teilen, ist…
Aber diejenigen die diesen Irrsinn nicht mehr mitmachen, werden tagtäglich mehr. Es setzen sich immer mehr Menschen für die Tierrechte ein. Und von diesen jeder auf seine Art und nach seinen Möglichkeiten. Schön wäre es, wenn es nicht so viel Uneinigkeit unter den Tierschützern geben würde.

Hallo? Es gibt, wie bei allem im Leben, nicht den einzigen richtigen Weg. Viele unterschiedliche Tierrechtler kämpfen auf unterschiedlichster Weise für diese eine Sache, dem Wohl der ausgebeuteten und misshandelten Tiere.
Etwas mehr Toleranz und Offenheit für neue Wege würde manchen ganz gut tun…

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Comments 2

  1. Petra Zöttler

    Lieber Norbert,

    toll, dass Du hingefahren bist und Dir selbst ein Bild gemacht hast! Ich weiß auch sehr gut, wie schwer der Weg in die Zenettistraße ist und wie es einem die Kehle zuschnürt. Die Tränen, wenn die Transporter kommen – die Tiere sehen einen an mit wunderschönen Augen, still und der Schmerz und die Trauer ist greifbar! Das laute verzweifelte Rufen der Rinder, der beißende Angstgeruch der Schweine…es ist eine Hölle! Und wie Du sagst – vielen Menschen ist es egal, viele blenden es aus….und gehen blind ihren fragwürdigen Weg weiter!

    Ich saß heute mit meiner Mama und meinem Sohn auch bei Erbil’s in der Einsteinstraße und als dort ein vollbeladener Tiertransporter vorbeifuhr, hat uns das wundervolle vegane Essen nur noch halbsogut geschmeckt….

    Schade, dass wir uns nicht begegnet sind!!! Aber vielleicht beim nächten Mal…

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